Allein, allein – Urlaub als Single: meine Erfahrungen

„Sind Sie alleine?“, fragte mich der Herr vom Shuttleservice und sah sich um, als er mich vom Bahnhof in Bad Aussee aufklaubte. Mir verpasste es gleich mal einen kleinen Stich im Bauch. „Jaaaa!“

Im Sommer 2019 buchte ich mir das allererste Mal in meinem Leben einen Kurzurlaub nur für mich alleine. Wieso das etwas Besonderes für mich war und meine Gedanken dazu kannst du im dazugehörigen Artikel nachlesen: Allein, Allein – Urlaub als Single: meine Gedanken, Ängste und Empfehlungen 

In diesem Artikel verrate ich dir wie mein erster Urlaub mit mir alleine verlaufen und wie es mir dabei gegangen ist. So enjoy!

Eine Angst blieb…

Umso näher mein Urlaub rückte, umso unruhiger wurde ich. Ich freute mich schon sehr auf ein paar Tage Auszeit, Zeit nur für mich, aber ich konnte überhaupt nicht einschätzen, wie es mir tatsächlich damit gehen würde. Den größten Bammel hatte ich vor dem Abendessen. Ja, ich als Ultragourmet hatte Angst vor einem 5-Gänge-Menü. 😀

Alleine frühstücken löste in mir nicht so viele Gedanken aus wie das Abendessen. Beim Frühstück kommt es schon mal vor, dass man alleine frühstückt, die aktuelle Tageszeitung oder eine Zeitschrift durchgeht, während der (Reise-)Partner vielleicht noch am Zimmer ist, im Fitnessraum trainiert, vielleicht sogar schon bei einer ersten Spa-Behandlung ist oder seine Runden im Pool schwimmt.

Abendessen hingegen ist etwas Gesellschaftliches. Handy, Zeitung und Co. sind im Restaurant meiner Meinung nach eher tabu. Man unterhält sich beim Essen, tauscht sich über den Tag aus. Einen Unterschied macht es natürlich, wenn man sich gerade auf Dienstreise befindet. Nur war „Die Wasnerin“ als Wellnesshotel jetzt nicht gerade ein Hotel in dem typischerweise Businesspeople auf Dienstreise unterkamen. 🙂

Vorab sprach ich mit einigen Freundinnen, die das genauso sahen wie ich.  Sie gaben mir sehr brauchbare Gedanken mit auf meine Urlaubsreise, die mich rasch beruhigten. Zum Einen den Gedanken mit mir selbst schick Abendessen zu gehen und die Zeit einfach zu genießen, zum Anderen, den der Option auch am Zimmer essen zu können, falls ich mich wirklich sehr unwohl fühlen würde. Ja, wieso eigentlich auch nicht?

„Sind Sie alleine?“

… fragte mich der Herr vom Shuttleservice und sah sich um, als er mich vom Bahnhof in Bad Aussee abholte. Mir verpasste es gleich mal einen kleinen Stich im Bauch. „Jaaaa!“ Gespräch beendet…

Okayyyy! Keine zehn Minuten später wurde ich an der Rezeption im Hotel „Wasnerin“ von einem (wie ich später erfuhr) jungen Wiener Herren empfangen, bekam ein Glas Haussekt und musste ein zweites Mal diese Frage beantworten. „Nein, ich habe meine Begleitung im Koffer versteckt!“ haha 😛 Anyway…

Ich wurde herzlich begrüßt und auf mein Zimmer geleitet. Mein Einzelzimmer war in Ordnung aber ehrlich gesagt nicht das, dass ich mir erwartet hatte und auch nicht das, das ich gewohnt war vom Hotel. Die Doppelzimmer mit Blick auf den Loser oder den Dachstein waren dann doch etwas anderes. Aber hier war ich nun… allein und bereit nach meinem eigenen Zeitplan meinen Tag zu gestalten. Da es schon gegen 17 Uhr und das Wetter nicht sonderlich prickelnd war, beschloss ich mich vorerst am Zimmer einzurichten und mich in Ruhe für das Abendessen fertig zu machen. Das Abendessen findet zwischen  18 und 20:30Uhr statt und im Gegenzug zum Frühstück herrscht hier keine freie Platzwahl, man wird einem Tisch zugewiesen. Gegen 19 Uhr betrat ich das Hotelrestaurant und wurde einem Tisch in einer der kleinen Stuben zugewiesen, darüber war ich auch sehr dankbar, denn das bedeutete für mich nicht mitten im großen Speisesaal zu sitzen, sondern in einem kleinen, gemütlichen Raum mit insgesamt nur sieben Tischen für jeweils zwei bis drei Personen.

Zur Sicherheit hatte ich mir ein paar Postkarten, einen Stift und meinen Kindle mit ins Restaurant genommen. Brauchte ich jedoch alles nicht, denn ich wurde vom Fachpersonal gut umsorgt und genoss es die Leute rund um mich zu mustern und ihren Gesprächen zu lauschen. Haha, keine Sorge, nicht so wie eine verrückte Stalkerin oder Gafferin. 😛

Mit mir in der Stube saßen lauter Paare. Sie trudelten alle zu den unterschiedlichsten Zeiten ein. Als ich kam saßen schon zwei ältere Paare an ihren Tischen. Die jüngeren kamen erst gegen 19:45 Uhr. Links neben mir eines der Paare, die ich immer bewundert hatte. Sie redeten kaum ein Wort miteinander, tauschten sich nur über das Essen und die Getränkewahl aus, sonst Stille. Wäre so gar nicht meins. Zwei Tische weiter ein sehr, sehr sympathisches Paar. Sie lachten sehr viel miteinander. Die Oldies gegenüber am Tisch strahlten Vertrautheit aus und unterhielten sich über Alltägliches. Alles Dinge, die ich gar nicht mitbekommen hätte, hätte ich Begleitung am Tisch gehabt.

Kurzum war mein erstes Abendessen alleine nicht so schlimm wie befürchtet und ich fühlte mich keineswegs unbehaglich. Ich schlich wieder auf mein Zimmer und legte mich relativ rasch schlafen.

 

Me-Time

Am nächsten Tag sah die Welt dann ein klein wenig anders aus. Ich schlief aus und da das Frühstück von 7 bis 11 Uhr bereitstand, lies ich mir auch Zeit um mich frisch zu machen. Allerdings war mein Gemütszustand etwas, wie soll ich sagen, angeknackst. Ich fragte mich, was ich denn hier eigentlich machte, wem ich etwas zu beweisen hatte und hinterfragte meine Entscheidung alleine Urlaub zu buchen. Es überkam mich einfach so… Kurz war mir zu weinen zu mute, dann rief mich just im Moment eine Freundin an. 🙂 Liebe Marina, ohne dass du es gewusst hast, hast du meine Stimmung gehoben.

Relativ rasch fing ich mich also wieder, machte mich fertig und ging zum Frühstück. Frühstücken alleine war überhaupt kein Problem für mich. Ich ließ mir Kaffee en masse nachschenken und las ein paar spannende Artikel in einem Magazin, während ich mir den Bauch voll schlug.

Danach schlüpfte ich in Bikini und Bademantel, suchte mir ein ruhiges Plätzchen auf der Dachterrasse und verbrachte den Vormittag über mit Lesen und Ruhen. Am Nachmittag gönnte ich mir einen kleinen Nachmittagssnack und am Abend eine Massage. Endlich richtig runterkommen! Die Masseurin war sehr herzlich und bestärkte mich in meiner Entscheidung alleine zu reisen. Sie fand das großartig, dass ich das so durchzog und keinesfalls selbstverständlich.

Urlaub MaryJay Die Wasnerin Urlaub Die Wasnerin Die Wasnerin Bad Aussee

Am zweiten Abend wurde ich dann doch beim Abendessen im großen Speisesaal untergebracht, aber ich bekam einen Platz ganz am Rand und genoss den Blick auf den vollen Raum. Es verlief gleich alles viel entspannter als am ersten Abend, ich war einfach viel entspannter. Neben mir hatte eine junge Dame Platz genommen, die auch alleine beim Essen war. Sie war allerdings das ganze Abendessen über in ihrem Buch vertieft… auch okay. Neben mir saß wieder das sympathische Paar vom Vorabend. Die Dame, nach meinem Empfinden nach, eine sehr offene Frau, die sagt was sie sich denkt, zu ihrem Mann auf mich und meine Tischnachbarin blickend: „Die Jungen essen heutzutage anscheinend eher auch mal allein. Die eine dürfte aber zu zweit hier sein, die hab ich beim Frühstück gesehen!“ 😀 Kein Kommentar dazu! Auch ihr Mann hatte nicht viel dazu zu sagen. 😀

Später am Abend bekam ich heftige Kopfschmerzen und war nur heil froh mich niemandem rechtfertigen zu müssen wieso ich jetzt nicht noch an die Hotelbar oder Billard spielen gehen wollte.

Bad Aussee Die Wasnerin
Mein Lieblingsraum: der Teeraum

Ich verbrachte schöne ruhige Tage im Hotel, genoss die Zeit, lernte mich selbst wieder ein Stückchen besser kennen und nahm einige Erkenntnisse mit:

 

„Allein ist ein goldener Stein!“

 

  • Alleine reisen im großen Stil (in ein anderes, mir noch nicht bekanntes Land) ist nichts für mich. Dafür teile ich Erlebnisse viel zu gerne und bin auch zugegeben ein zu großer Angsthase. ABER so what? So bin ich halt eben. Und wer weiß, sag niemals nie… vielleicht überkommt es mich ja doch einmal!?
  • Alleine reisen innerhalb Österreichs, Unternehmungen starten in meinem Wien oder in der Umgebung und das auch mal alleine, kostet mir zwar ein bisschen Überwindung, ist aber definitiv machbar. Ich möchte für mich lernen, dass es nicht immer andere braucht, um etwas zu unternehmen. 🙂
  • Ich bin sicher (und Gott sei Dank) nicht der Typ, der sich zwingend einen Partner sucht, damit er nicht allein ist. Ich bin allerdings ziemlich davon überzeugt, dass es einige Menschen gibt, die genau das tun.
  • Großer Vorteil des Alleinreisens: Die Programmgestaltung liegt allein bei dir! Ob du den ganzen Tag im Bett herumgammeln möchtest oder von einem Hotspot zum nächsten pilgern möchtest, es liegt allein in deiner Hand.

 

Wie geht es dir beim Reisen? Egal ob Freundin, Freund oder Partner, brauchst du Begleitung oder genießt du es auch mal alleine zu reisen?

2 Comments

  1. Pingback: Allein, allein - Urlaub als Single: Gedanken, Ängste, Empfehlungen - Mary Jay

  2. Jana F. 7. September 2019 at 21:28

    Ich reise auch unheimlich gerne, konnte mich aber leider seit meiner Trennung vor zweieinhalb Jahren nicht dazu aufraffen alleine in den Urlaub zu fahren. Meine Freundinnen sind alle verheiratet und/oder haben Kinder und da möchte ich mich dann auch nicht wie das dritte Rad am Wagen fühlen.
    Aber dein Artikel hat mich motiviert, dass ich mir zumindest mal einen Wellness-Trip für mich alleine gönnen werde.

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